Projektübersicht
Die Landshuter Hofkapelle hat sich auf Musik zwischen 1400 und 1600 spezialisiert.
Alle vier Jahre spielen wir in über dreißig Veranstaltungen der Landshuter Hochzeit 1475 die Konzerte und Tanzspiele im Rathausprunksaal.
Besonders freut es uns, dass wir 2023 bei dieser Gelegenheit wieder ca. 14.000 Gäste begrüßen durften.
Außerdem musiziert die Landshuter Hofkapelle seit der Entstehungszeit des Festivals Konzerte und Festgottesdienste bei den Landshuter Hofmusiktagen. Aber auch andere Konzertreihen und Gelegenheiten besuchen wir gerne, etwa die Burgfeste auf der Burg Trausnitz, Dommusik Freising, Cantare et Sonare Innsbruck, Zeitreise Veste Coburg, Peter-und-Paul-Fest Bretten etc.
Kleinere Feste und Feiern umrahmen wir bei Gelegenheit oder spielen unser mobiles Repertoire mit Straßenmusik.
Auch die Nachwuchsarbeit liegt uns am Herzen!
So haben wir bereits zwei Programme aus der bekannten Reihe „Ritter Rost“ arrangiert und auf die Bühne gebracht. Auch Kinderkonzerte gehören für uns absolut dazu.
Ganz großartig finden wir die jungen Nachwuchskünstlerinnen und Künstler, die Kinderband „Cantoccini“, die sich 2022 gegründet hat.

Musik des 15. Jahrhunderts
Musik zu des Fürsten Hochzeit
Die „Landshuter Hochzeit 1475“ war ein europäisches Ereignis, das höchste Ansprüche an Repräsentation und höfische Unterhaltung stellte. Im prachtvollen Ambiente des Rathausprunksaals lässt die „Landshuter Hofkapelle“ diesen Reichtum an Klängen und Bildern jener Zeit wieder lebendig werden. Als roter Faden dient dabei die Erzählung eines Zeitgenossen, der uns direkt in das Geschehen führt. Mit historisch informierter Spielweise und in verschiedensten, authentischen Besetzungen zeigt die „Landshuter Hofkapelle“ die enorme Bandbreite, mit der die Musiker aus aller Herren Länder damals aufwarteten. Für das Publikum heute macht das Ensemble die Vielfalt der Musik um 1475 auf einer einzigartigen Auswahl historischer Instrumente erlebbar. Sie schlagen die Brücke zwischen der historischen Bedeutung der Musik und einem unterhaltsamen, musikalisch-erlesenen Konzert. Mit ihrer Leidenschaft für die Alte Musik und ihrem Gespür für die Klangpracht des späten Mittelalters präsentierten sie eine Hommage an jenes prunkvolle Fest, das schon 1475 die Menschen in seinen Bann zog.
Tanzspiele
Die Hofkapelle sorgt im Rathausprunksaal auch für die historische Tanzmusik.
An den Festabenden versammeln sich wie einst das Brautpaar und die fürstlichen Gäste zum Tanz. Gemessene Reigen- und Schreittänze der Zeit, aus den Notenbüchern berühmter Zeitgenossen aus ganz Europa rekonstruiert, werden unterbrochen vom Tanz des Kaisers mit der Braut, dem Tanz der polnischen Edelleute und von dem exotischen Tanz der Morisken (Mauren), deren Gestalten uns der Bildhauer Erasmus Grasser überliefert hat.
Musik des 16. Jahrhunderts
Renaissancemusik am Hof in Landshut
Werke von Orlando di Lasso und Zeitgenossen
Die Landshuter Hofkapelle spielt Musik des berühmten Komponisten Orlando di Lasso, wie sie an den Höfen der Wittelsbacher in München und Landshut erklungen ist.
Neben München war Landshut eine der Wirkungsstätten des für die Renaissancemusik so wichtigen Komponisten Orlando di Lasso. Er diente mit seiner Hofkapelle am Hof der Herzöge und hatte damit die Aufgabe, die Feste und Gelegenheiten der Wittelsbacher Familie musikalisch zu gestalten. Dabei ging es in erster Linie um die öffentliche fürstliche Repräsentation und die Umrahmung von Empfängen, Festabenden und Banketten.
Das Konzert der Landshuter Hofkapelle gliedert sich, entsprechend dem Festival-Motto der Landshuter Hofmusiktage 2024 „Helden – Geister – Schwerenöter“, in eben diese drei Teile und spiegelt die große künstlerische und emotionale Bandbreite der Musik der Renaissance. Wie es sich für eine Hofkapelle jener Zeit gehört, werden die Stücke in wechselnden und vielfältigen Besetzungen dargeboten. Ein Erzähler erinnert sich an die Begebenheiten rund um Massimo Troiano, welcher 1568 der großen Hochzeit von Wilhelm V. und Renata von Lothringen beigewohnt und diese beschrieben hatte, dessen Vita dann aber doch eine äußerst dramatische Wendung nehmen sollte.


Musik aus Mittelalter und Renaissance
Stella splendens in monte Pilgermusik aus Mittelalter und Renaissance
Llibre Vermell – Cantigas de Santa Maria – Walther von der Vogelweide – Oswald von Wolkenstein (…)
Seit Jahrhunderten ist es den Gläubigen ein tiefes Bedürfnis, heilige Stätten und Wirkungsorte aufzusuchen und dabei auch lange, entbehrungsreiche und gefahrvolle Reisen auf sich zu nehmen. Vor allem im Mittelalter zogen solche Pilgerfahrten die Menschen in einem heute kaum mehr vorstellbaren Ausmaß in ihren Bann. Die Reiseberichte und Erzählungen über Wunder und Erscheinungen von Heiligen und der Mutter Gottes sind bis heute zahlreich. Auch die musikalische Tradition liefert viele Beispiele für die tiefe Religiösität jener Epoche. Neben liturgischer Musik spielen dabei auch Melodien und Texte eine Rolle, die die damals große Begeisterung des Adels und auch die äußerst ausgeprägte Volksfrömmigkeit in ihrer Anschaulichkeit, Hingabe und Emotionalität bis in unsere Gegenwart nachempfinden lassen. In „Stella splendens in monte“ präsentiert die Landshuter Hofkapelle neben Stücken um 1500 auch Musik, die bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht.
Conrad Paumann 1454 in Landshut Hofmusik anlässlich des Besuches Philipps des Guten
Conrad Paumann, der blind geborene und berühmteste bayerische Musiker jener Zeit, wurde auf seinem Grabmal im Kreis jener Instrumente abgebildet und war bekannt als der kunstreichist all instrame(n)t un d‘ musica maister. Einige der ihm zugeschriebenen Stücke sind neben dem berühmten Lochamer Liederbuch und dem Buxheimer Orgelbuch auch in burgundischen und italienischen Sammlungen zu finden. Ihm sei deshalb der erste Teil des Konzertes gewidmet. Auch bei den höfischen Tanzabenden, wie sie Paumann für den wittelsbachischen Hof, vielleicht auch 1454 in Landshut, zu gestalten hatte, waren die Auftritte fremdartig gestikulierender, orientalisch gekleideter Männer, der Morisken (= Mauren), höchst willkommene Attraktionen. Diese verlangten eine dazu passende musikalische Untermalung. Den zweiten Teil bilden demzufolge Stücke, die den Rahmen für den festlichen Tanzabend zu Ehren des hohen Gastes aus Burgund 1454 auf der Burg Trausnitz gebildet haben könnten.
Geistliche Musik
Seit den Anfängen der Landshuter Hofmusiktage zu Beginn der achtziger Jahre hat die die Landshuter Hofmusik / Landshuter Hofkapelle viele zum jeweiligen Motto der Landshuter Hofmusiktage passende Messkompositionen recherchiert und in einem Festgottesdienst musiziert. Hier eine Auswahl:
Tomás Luis de Victoria (1548-1611) „Missa Laetatus sum“
Victoria, ein jüngerer Zeitgenosse von Orlando di Lasso, war der bedeutendste spanische Komponist des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts. Die Messe wird in drei Chören mit Sängerensemble und Bläsern (Pommer, Dulzian, Posaune) musiziert. Dabei werden die Vokalstimmen im Stil der Zeit ‚colla parte’ von den Instrumentalisten ergänzt.
Orlando di Lasso (1532-1594) Missa super Amar Donna
Die fünfstimmige „Missa super Amar Donna“ des auch häufig in Landshut weilenden Hofkomponisten der Bayerischen Herzöge, Orlando di Lasso, stammt aus dem Jahr 1579 und ist zu Unrecht eine seiner sehr selten zu hörenden Messkompositionen. Mutmaßlich verarbeitete Orlando di Lasso im Sinne des damals sehr üblichen Kontrafaktur-Verfahrens eine ihm bekannte weltliche Melodie (etwa „L’amor donna chio te porto“), indem er diese abwandelte und den liturgischen Texten anpasste. Denkbar sind allerdings auch Anknüpfungspunkte an den Liebfrauendom in München oder an die Liebfrauenkapelle in Altötting, in deren Stiftsbibliothek die Messe schließlich auch aufgefunden wurde.
Die Messe wird mit zehn Sängern und fünf Bläsern (Dulzian, Posaunen, Pommern) musiziert. Dabei werden die Vokalstimmen im Stil der Zeit ‚colla parte’ von den Instrumentalisten begleitet.
C. Luython (1557 – 1620): Missa super Filiae Jerusalem
Die sechsstimmige „Missa super Filiae Jerusalem“ stammt aus der Feder des in Antwerpen geborenen und in Prag am Hof der Habsburger wirkenden Komponisten Carolus Luython. Er ist einer der letzten Vertreter der berühmten franko-flämischen Schule und steht damit mit seiner Musik am Übergang zwischen Renaissance- und Barockzeit. Ganz im Sinne des damals noch üblichen Kompositionsverfahrens verwendete er für seine Missa super Filiae Jerusalem ein Stück eines anderen Meisters als Vorlage. Hier gilt dies für Philippe de Montes „Filiae Jerusalem, nolite flere“.
Die Messe wird mit Sängerensemble und sechs Bläsern (Dulzian, Posaunen, Pommern) musiziert. Dabei werden die Vokalstimmen im Stil der Zeit ‚colla parte’ von den Instrumentalisten begleitet.



Straßenmusik und Umrahmungen
Die Landshuter Hofkapelle spielt in variablen Besetzungen auch für private und öffentliche Feste und Feiern.
Neben der musikalischen Umrahmung von Veranstaltungen steht uns auch ein Repertoire für kleinere Freiluftaufführungen und Straßenmusik zur Verfügung.
Wir spielen auch Kurzkonzerte für Kinder und Jugendliche.
Musik der Extraklasse auf dem Peter-und-Paul-Fest
Die Landshuter Hofkapelle: Ein Ensemble der Extraklasse mit einer tiefen Leidenschaft für die Musik des Spätmittelalters wie der Frühen Neuzeit. Die engagierten und begnadeten Musiker unter der Leitung von Andreas Kaiser sind weit über die Grenzen Landshuts hinaus bekannt – und ihr Ruf eilt ihnen voraus.
„Nur in Bretten waren wir leider noch nicht“, gibt Kaiser zu. „Es wird also höchste Zeit, Euer schönes Städtchen und das Peter-und- Paul-Fest endlich kennenzulernen, fasst er die Vorfreude zusammen, denn erste Kontakte bestehen bereits: „Ihr seid ja zum Glück bei uns gewesen!“ Im Jahr 2023 anlässlich des Treffens zum Kulturerbe, während der Landshuter Hochzeit, kam es zur ersten Begegnung der Musiker mit einer Delegation mittelalterlicher Gruppen aus Bretten. Auf der „Zeitreise“ auf der Veste Coburg“ begegnete man sich wieder. Spontan bereicherten die Musiker eine Vorführung der Brettener Artillerie auf der Veste. „Da konnten wir Euch live erleben, was wirklich sehr, sehr spannend war! Es hat uns auch sehr gefreut, dass wir von Euch so herzlich aufgenommen worden sind!
Stücke aus dem 15. und 16. Jahrhundert
Nun wird die Freundschaft vertieft, 13 Musiker werden aus dem niederbayerischen Landshut anreisen. Wir können dann in den verschiedensten Besetzungen spielen“, erklärt Kaiser. „Bläserinnen und Bläser, Sängerinnen und Sänger, Saitenspieler, Schlagwerk – historisch nennt man das eine Aufteilung in eine Bassa Capella und eine Alta Capella.“
Auch stehen bereits erste Auftrittstermine fest: Am Freitag werden sie um 20:30 Uhr und am Sonntag um 16:15 Uhr auf dem Marktplatz sowie am Samstag um 18 Uhr in der Kreuzkirche spielen. „Ansonsten sind wir mobil unterwegs“, sagt der Kapellmeister. Und selbstverständlich werden sie in verschiedenen Lagern zu Gast sein
Gerade sind wir dabei, unser Landshuter Liederbuch zu überarbeiten und zu aktualisieren. Darin befinden sich etwa 50 Repertoirestücke, hauptsächlich aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die wir gerne machen und die wir teilweise schon viele Jahre aufführen. Die Idee dahinter ist, dass wir ein Repertoire haben, das wir ganz flexibel handhaben können, sodass wir jederzeit zu zweit, zu dritt oder auch alle – wie auch immer – etwas zum Singen und Spielen haben. Ganz nach Lust, Laune und Bedarf!“
Aber natürlich hat man auch Favoriten: „Naja, ein Klassiker ist „El Grillo“ von Josquin des Prez, den singen ja viele und wir eben auch sehr gerne. Wir sind auch am Über- legen, was nach dem Auftritt der italienischen Nationalmannschaft im Fahnenwerfen passen könnte. Da brauchen wir sicher eines unsere Bläserstücke mit Holz, Blech und Schlagwerk, oder? Außerdem würde natürlich das „Ich spring an disem ringe“ aus dem Lochamer Liederbuch passen. Oder das Falknerlied, oder was Deftiges zum Umtrunk, oder, oder …“ Man darf gespannt sein!
„Wir freuen uns schon sehr auf dieses Fest, auf die Zeit mit und bei Euch!“ Eine wichtige Anmerkung hat der Musiker noch – in Bezug auf die Begegnung mit der Artillerie auf der Veste: „Bei Euch heißt es „Ohren zu, Mund auf“. „Ohren auf, Mund zu“ heißt es hingegen bei uns.“ Wenn man die Landshuter jedoch erstmals gehört hat, passiert das von ganz allein. Immerhin gas tiert ein Ensemble der Extraklasse in Bretten.
(Sylvia Mutter für Brettener Woche, 02.07.2025)
Kinderprogramme
Gerne stellen wir jungen und jung gebliebenen Leuten unsere Musik und die Instrumente in Kurzkonzerten vor.
Wir spielen auch die beliebte Musik aus Schrottland auf unseren historischen Instrumenten! „Ritter Rost“ auf altem Blech – Der Kinderzimmer-Klassiker wird als Musical mit historischen Instrumenten vertont
Vor 22 Jahren konnten schlumpfliedergeschädigte Eltern endlich aufatmen: Da erschien der erste „Ritter-Rost“-Band mit Liedern, die ebenso lustig wie eingängig waren wie die Geschichten rund um den blechernen Ritter und seine Freunde. Im Lauf der Zeit wurden sie Stoff für viele Film- und Bühnen- Versionen. Jetzt haben sich Mitglieder der Landshuter Hofkapelle des Ritters mit dem Registrierkassenbauch angenommen. Sie machen aus „Ritter Rost und das Gespenst“ ein Kindermusical auf historischen Instrumenten. Die Hofkapelle spielt auf historischen Instrumenten wie Spinett, Tripelharfe, Busine, Dulzian und Renaissancegitarre die Hits aus „Ritter Rost und das Gespenst“. In fantasievollen Kostümen singen Ritter Rost, Burgfräulein Bö, Koks der Drache, das Gespenst und viele weitere Ritter. Kinder dürfen zu den Aufführungen gerne als Ritter-Rost-Figuren verkleidet kommen. Und Mitsingen ist bei den bekannten Liedern wie „Das muss ein Ritter können“ unbedingt erwünscht. Die Altdorfer Harfenistin und Musikpädagogin Susanne Kaiser hatte die Idee, die Gespenster-Geschichte mit ihren Kollegen von der „Landshuter Hofkapelle“ aufzuführen. Mit gut einem Dutzend Mitwirkenden wird „Ritter Rost und das Gespenst“ aufgeführt. […] „Als Herr Hilbert, der selbst Laute spielt, erfuhr, dass wir eine Aufführung mit historischen Instrumenten machen wollen, war er so begeistert, dass er selbst zur Premiere kommen will“, erzählt Susanne Kaiser. Seit 1994 der erste Ritter-Rost-Band erschien, sind weit über eine Million Exemplare verkauft worden. Zu den Büchern gehört jeweils eine CD mit Hörbuch und Liedern, die nicht nur von Kindern gerne gesungen werden. Inzwischen ist „Ritter Rost“ ein moderner Klassiker der Kinderliteratur, der schon mehrfach mit dem Medienpreis Leopold als gute Musik für Kinder ausgezeichnet wurde. (Rita Neumaier, LZ, 03.08.2016, S. 13)

